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Zugegeben: Die Wörter Intuition und Führung wirken im gedanklichen Zusammenhang eher ungewohnt. Kein Wunder, gilt es doch in der Unternehmenswelt noch immer als Best Practice, eine Aufgabe auf rein rationaler Basis anzugehen. Der Kopf analysiert, der Kopf entscheidet. Zahlen und Fakten bieten ein scheinbar festes Fundament. Doch haben Sie nicht auch schon einmal gegen ihren „Bauch“, gegen ihr Gefühl gehandelt – und am Ende gesagt: „Ich wusste es doch!“? Genau dieses sogenannte Bauchgefühl ist nichts anderes, als die populäre Umschreibung des Phänomens Intuition.

„Die Intuition ist ein göttliches Geschenk, der denkende Verstand ein treuer Diener. Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben, den Diener zu verehren und die göttliche Gabe zu entweihen.“

Diese Worte stammen von keinem geringeren als Albert Einstein, einem der historisch bedeutendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Physik. Und auch die Physik lässt sich zunächst nur schwer mit dem Begriff der Intuition in Einklang bringen: Auf der einen Seite stehen exakte Messungen und durchdachte Formeln – auf der anderen Seite stehen oft nur vage Ahnungen und Empfindungen.

 

 

Ein kurzer Blick in die Forschung

 

Methoden, mit denen Entscheidungen auf der Basis harter Fakten getroffen werden, gelten dem Großteil der Menschen als besonders verlässlich. Sie haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie erfordern einen überschaubaren Sachverhalt, eine klare Analyse und einige Zeit. Doch in komplexen Situationen oder dann, wenn eine schnelle Entscheidung getroffen werden muss, ist ein Rückgriff auf unsere Intuition das Mittel der Wahl. Denn unser „Bauchgefühl“ signalisiert ungleich schneller als unsere Ratio, was uns richtig erscheint. Der Psychologe Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut streicht deshalb – ebenso wie Albert Einstein – heraus:

„Man vergisst, wie wichtig Intuition ist, und wie wichtig einfache Regeln sind, die wir Heuristiken nennen, auf denen Intuition offenbar basiert, um in einer unsicheren Welt umzugehen“.

Eric Berne, ein US-amerikanischer Arzt formulierte es so: „Eine Intuition ist Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit dem Wahrgenommenen erworben wird, ohne dass der intuitiv Wahrnehmende sich oder anderen genau erklären kann, wie er zu der Schlussfolgerung gekommen ist.“

Das zeigt einen ganz entscheidenden Faktor bei der Entscheidungsfindung: Intuition funktioniert nur dann, wenn die Menschen dabei auf einen möglichst großen Schatz aus Wissen und Erfahrung zurückgreifen können. Denn auch die Intuition ist keine Hellseherei. Sie nimmt direkt Zugang zu unserem Unterbewusstsein. Daher ist sie nur zuverlässig, wenn sie aus dem Vollen schöpfen kann.

Einstein Forscher

Führungserfolge – worauf kommt es an?

 

Die Menschen vor allem sind es, auf denen der Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens beruht. Die Führungskräfte und die von ihnen angeleiteten Mitarbeiter. Somit sind zweifellos die Motivation der im Unternehmen Tätigen sowie deren Leistungsfähigkeit entscheidende Erfolgsfaktoren. Erreicht wird dies durch optimale Führung.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (A. Saint-Exupery)

Damit die Menschen in einem Unternehmen ihren eigenen Beitrag am Unternehmenserfolg verorten können und vor allem die notwendige intrinsische Motivation entwickeln können, die sie auch langfristig leistungsbereit hält, muss die Leitungsebene eines Unternehmens Führungskräften und Mitarbeitern eine solide und motivierende Vision geben. Die Führungskräfte des Unternehmens müssen klare Ziele und Rahmenbedingungen definieren und die Mitarbeiter befähigen und fördern, damit ihr volles Potential für das Unternehmen genutzt werden kann. Eine Vorgehensweise, die sich starr nach Manualen richtet, mit engen Regeln, Handlungsanweisungen und Sanktionen, kann durchaus kurzfristig zum Ziel führen. Die Führungsmethode des Taylorismus im 19. / 20. Jahrhundert hielt sich an diese Prinzipien – mit der Folge vollständiger Entfremdung von der Arbeit und praktisch nicht mehr vorhandener Flexibilität. Der extreme Gegenpol – der Laissez-Faire-Führungsstil – gibt den Mitarbeitern zwar maximale Eigenverantwortung und Freiheiten, doch führt das mangelnde Feedback auch hier bald zu einem Verlust der Motivation. Menschen brauchen Anleitung, Früherkennung und Intuition, Eigenverantwortung, Freiheit und Grenzen. Dieses Spannungsfeld adäquat abzustecken, liegt in der Verantwortung einer jeden Führungskraft.

 

Intuition als Wegweiser im Führungsalltag

 

Zur adäquaten Anleitung bzw. Führung von Menschen im Hinblick auf ein gesetztes Ziel gehört es auch, Entscheidungen zu treffen. Je nachdem, welchen Zeithorizont und welche Komplexität die Fragestellung aufweist, bietet sich eine rationale Herangehensweise oder eine intuitive Herangehensweise an. Wie schon beschrieben, ist die Intuition sehr gut geeignet, wenn eine Entscheidung unter Zeitdruck getroffen werden muss und der Entscheider über ein großes Wissen verfügt. In anderen Fällen bietet sich oft die rationale Vorgehensweise an. Und es gibt noch eine dritte Ausgangslage, in denen Entscheidungen seitens der Führungsebene unabdingbar sind: Wenn es darum geht „…die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer…“ zu lehren. Eine mitreißende Vision zu erschaffen.

Experten gehen davon aus, dass vor allem Entscheidungen von großer unternehmerischer Tragweite grundsätzlich eher intuitiv getroffen werden. Hier, wo es von der Routine wegführt zur schöpferischen Arbeit, wo es darum geht, sich gedanklich in die Zukunft und auf völlig neues Terrain zu begeben, lassen sich oft rationale Fakten nicht mehr für die Entscheidungsfindung heranziehen. Es ist der Moment, in dem kreatives Gespür und „Bauchgefühl“ gefragt sind. In der Erarbeitung von Visionen und Strategien greifen Führungskräfte bewusst oder unbewusst auf ihre Intuition – „das göttliche Geschenk“ – zurück, während sie operative Entscheidungen vorwiegend rational treffen.

 

Zwischen Verstand und Intuition: Die Walt-Disney-Methode

 

Zu einem Thema grenzenlos-intuitiv Träume zu entwickeln und sie gleichzeitig kritischrational zu prüfen muss kein Widerspruch sein. Es ist vielmehr die in die Praxis umgesetzte Empfehlung, im Unternehmensalltag sowohl die intuitive Stimme als auch die rationale Sichtweise einzusetzen. Bei der Walt-Disney-Methode nach Dilts wird der Coachee zunächst in einen Zustand versetzt, der es ihm erlaubt, zu seinem intuitiven Wissen Zugang zu finden und den rationalen Verstand für einen Moment auszuschalten. Er ist nun in der Lage, groß, ohne Grenzen und ganz „verrückt“ seinen Traum zu entwickeln, ohne bereits in eine gedankliche Selbstzensur zu gehen. Im zweiten Schritt wird seine Ratio angesprochen, die objektiv denkbare Wege finden soll, das Erträumte umzusetzen. Erst im dritten Schritt wird ein autokritischer Denkprozess in Gang gesetzt, in dem vor allem die Umsetzung des Traums durch den Coachee Punkt für Punkt auf Umsetzbarkeit und Risiken hinterfragt wird.

Die Ergebnisse der vorgenannten Stationen „Träumer“, „Denker“ und „Kritiker“ stellen allesamt Erfahrungswerte dar, die nun im Bewusstsein und Unterbewusstsein des Coachees vorhanden sind. Auf diesen Erfahrungswerten setzt eine neue, intuitive Annäherung an das Thema auf. Der Coachee wird erneut durch alle drei Stufen des Entwicklungsprozesses geführt. So lange, bis eine für ihn stimmige und umsetzbare Strategie entwickelt wurde.

Das Instrument stellt eine sehr wirksame und effektive Methode der Strategieentwicklung dar, deren wichtigstes Element der intuitive Entwicklungsprozess ist. In der Praxis zeigt sich oft, dass gerade die intuitive Herangehensweise zunächst von den Führungskräften mit Skepsis betrachtet wird. Im laufenden Prozess weckt dieses spielerische Vorgehen jedoch Freude und die nötige Kreativität, um hemmende Barrieren aufzulösen und sich ein visionäres Denken zu erlauben. Die Ergebnisse sind oft beeindruckend.

 

Fazit

 

  • Es ist für Unternehmen ausgesprochen bereichernd, die rationale Entscheidungsfindung durch den Einsatz der Intuition zu ergänzen. Vor allem Führungskräfte in höheren Managementebenen sollten für die Entwicklung der Unternehmensvision und der Unternehmensstrategie intuitive Entscheidungsprozesse bewusst erlauben
  • Der Einsatz spezieller Methoden, die den Zugang zur Intuition fördern und beschleunigen, kann eindrucksvolle Ergebnisse im Planungs- und Entscheidungsprozess erzielen.
  • Die bislang noch bestehende Skepsis vieler Unternehmer und Führungskräfte gegenüber dem intuitiven Entscheidungsprozess wird sich im Laufe der Zeit verringern. Der bewusste Einsatz intuitiver Methoden in der Coaching-Arbeit kann einer veränderten Sichtweise Vorschub leisten.