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Intuition und Führung

Intuition und Führung

Zugegeben: Die Wörter Intuition und Führung wirken im gedanklichen Zusammenhang eher ungewohnt. Kein Wunder, gilt es doch in der Unternehmenswelt noch immer als Best Practice, eine Aufgabe auf rein rationaler Basis anzugehen. Der Kopf analysiert, der Kopf entscheidet. Zahlen und Fakten bieten ein scheinbar festes Fundament. Doch haben Sie nicht auch schon einmal gegen ihren „Bauch“, gegen ihr Gefühl gehandelt – und am Ende gesagt: „Ich wusste es doch!“? Genau dieses sogenannte Bauchgefühl ist nichts anderes, als die populäre Umschreibung des Phänomens Intuition.

„Die Intuition ist ein göttliches Geschenk, der denkende Verstand ein treuer Diener. Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben, den Diener zu verehren und die göttliche Gabe zu entweihen.“

Diese Worte stammen von keinem geringeren als Albert Einstein, einem der historisch bedeutendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Physik. Und auch die Physik lässt sich zunächst nur schwer mit dem Begriff der Intuition in Einklang bringen: Auf der einen Seite stehen exakte Messungen und durchdachte Formeln – auf der anderen Seite stehen oft nur vage Ahnungen und Empfindungen.

 

 

Ein kurzer Blick in die Forschung

 

Methoden, mit denen Entscheidungen auf der Basis harter Fakten getroffen werden, gelten dem Großteil der Menschen als besonders verlässlich. Sie haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie erfordern einen überschaubaren Sachverhalt, eine klare Analyse und einige Zeit. Doch in komplexen Situationen oder dann, wenn eine schnelle Entscheidung getroffen werden muss, ist ein Rückgriff auf unsere Intuition das Mittel der Wahl. Denn unser „Bauchgefühl“ signalisiert ungleich schneller als unsere Ratio, was uns richtig erscheint. Der Psychologe Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut streicht deshalb – ebenso wie Albert Einstein – heraus:

„Man vergisst, wie wichtig Intuition ist, und wie wichtig einfache Regeln sind, die wir Heuristiken nennen, auf denen Intuition offenbar basiert, um in einer unsicheren Welt umzugehen“.

Eric Berne, ein US-amerikanischer Arzt formulierte es so: „Eine Intuition ist Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit dem Wahrgenommenen erworben wird, ohne dass der intuitiv Wahrnehmende sich oder anderen genau erklären kann, wie er zu der Schlussfolgerung gekommen ist.“

Das zeigt einen ganz entscheidenden Faktor bei der Entscheidungsfindung: Intuition funktioniert nur dann, wenn die Menschen dabei auf einen möglichst großen Schatz aus Wissen und Erfahrung zurückgreifen können. Denn auch die Intuition ist keine Hellseherei. Sie nimmt direkt Zugang zu unserem Unterbewusstsein. Daher ist sie nur zuverlässig, wenn sie aus dem Vollen schöpfen kann.

Einstein Forscher

Führungserfolge – worauf kommt es an?

 

Die Menschen vor allem sind es, auf denen der Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens beruht. Die Führungskräfte und die von ihnen angeleiteten Mitarbeiter. Somit sind zweifellos die Motivation der im Unternehmen Tätigen sowie deren Leistungsfähigkeit entscheidende Erfolgsfaktoren. Erreicht wird dies durch optimale Führung.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (A. Saint-Exupery)

Damit die Menschen in einem Unternehmen ihren eigenen Beitrag am Unternehmenserfolg verorten können und vor allem die notwendige intrinsische Motivation entwickeln können, die sie auch langfristig leistungsbereit hält, muss die Leitungsebene eines Unternehmens Führungskräften und Mitarbeitern eine solide und motivierende Vision geben. Die Führungskräfte des Unternehmens müssen klare Ziele und Rahmenbedingungen definieren und die Mitarbeiter befähigen und fördern, damit ihr volles Potential für das Unternehmen genutzt werden kann. Eine Vorgehensweise, die sich starr nach Manualen richtet, mit engen Regeln, Handlungsanweisungen und Sanktionen, kann durchaus kurzfristig zum Ziel führen. Die Führungsmethode des Taylorismus im 19. / 20. Jahrhundert hielt sich an diese Prinzipien – mit der Folge vollständiger Entfremdung von der Arbeit und praktisch nicht mehr vorhandener Flexibilität. Der extreme Gegenpol – der Laissez-Faire-Führungsstil – gibt den Mitarbeitern zwar maximale Eigenverantwortung und Freiheiten, doch führt das mangelnde Feedback auch hier bald zu einem Verlust der Motivation. Menschen brauchen Anleitung, Früherkennung und Intuition, Eigenverantwortung, Freiheit und Grenzen. Dieses Spannungsfeld adäquat abzustecken, liegt in der Verantwortung einer jeden Führungskraft.

 

Intuition als Wegweiser im Führungsalltag

 

Zur adäquaten Anleitung bzw. Führung von Menschen im Hinblick auf ein gesetztes Ziel gehört es auch, Entscheidungen zu treffen. Je nachdem, welchen Zeithorizont und welche Komplexität die Fragestellung aufweist, bietet sich eine rationale Herangehensweise oder eine intuitive Herangehensweise an. Wie schon beschrieben, ist die Intuition sehr gut geeignet, wenn eine Entscheidung unter Zeitdruck getroffen werden muss und der Entscheider über ein großes Wissen verfügt. In anderen Fällen bietet sich oft die rationale Vorgehensweise an. Und es gibt noch eine dritte Ausgangslage, in denen Entscheidungen seitens der Führungsebene unabdingbar sind: Wenn es darum geht „…die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer…“ zu lehren. Eine mitreißende Vision zu erschaffen.

Experten gehen davon aus, dass vor allem Entscheidungen von großer unternehmerischer Tragweite grundsätzlich eher intuitiv getroffen werden. Hier, wo es von der Routine wegführt zur schöpferischen Arbeit, wo es darum geht, sich gedanklich in die Zukunft und auf völlig neues Terrain zu begeben, lassen sich oft rationale Fakten nicht mehr für die Entscheidungsfindung heranziehen. Es ist der Moment, in dem kreatives Gespür und „Bauchgefühl“ gefragt sind. In der Erarbeitung von Visionen und Strategien greifen Führungskräfte bewusst oder unbewusst auf ihre Intuition – „das göttliche Geschenk“ – zurück, während sie operative Entscheidungen vorwiegend rational treffen.

 

Zwischen Verstand und Intuition: Die Walt-Disney-Methode

 

Zu einem Thema grenzenlos-intuitiv Träume zu entwickeln und sie gleichzeitig kritischrational zu prüfen muss kein Widerspruch sein. Es ist vielmehr die in die Praxis umgesetzte Empfehlung, im Unternehmensalltag sowohl die intuitive Stimme als auch die rationale Sichtweise einzusetzen. Bei der Walt-Disney-Methode nach Dilts wird der Coachee zunächst in einen Zustand versetzt, der es ihm erlaubt, zu seinem intuitiven Wissen Zugang zu finden und den rationalen Verstand für einen Moment auszuschalten. Er ist nun in der Lage, groß, ohne Grenzen und ganz „verrückt“ seinen Traum zu entwickeln, ohne bereits in eine gedankliche Selbstzensur zu gehen. Im zweiten Schritt wird seine Ratio angesprochen, die objektiv denkbare Wege finden soll, das Erträumte umzusetzen. Erst im dritten Schritt wird ein autokritischer Denkprozess in Gang gesetzt, in dem vor allem die Umsetzung des Traums durch den Coachee Punkt für Punkt auf Umsetzbarkeit und Risiken hinterfragt wird.

Die Ergebnisse der vorgenannten Stationen „Träumer“, „Denker“ und „Kritiker“ stellen allesamt Erfahrungswerte dar, die nun im Bewusstsein und Unterbewusstsein des Coachees vorhanden sind. Auf diesen Erfahrungswerten setzt eine neue, intuitive Annäherung an das Thema auf. Der Coachee wird erneut durch alle drei Stufen des Entwicklungsprozesses geführt. So lange, bis eine für ihn stimmige und umsetzbare Strategie entwickelt wurde.

Das Instrument stellt eine sehr wirksame und effektive Methode der Strategieentwicklung dar, deren wichtigstes Element der intuitive Entwicklungsprozess ist. In der Praxis zeigt sich oft, dass gerade die intuitive Herangehensweise zunächst von den Führungskräften mit Skepsis betrachtet wird. Im laufenden Prozess weckt dieses spielerische Vorgehen jedoch Freude und die nötige Kreativität, um hemmende Barrieren aufzulösen und sich ein visionäres Denken zu erlauben. Die Ergebnisse sind oft beeindruckend.

 

Fazit

 

  • Es ist für Unternehmen ausgesprochen bereichernd, die rationale Entscheidungsfindung durch den Einsatz der Intuition zu ergänzen. Vor allem Führungskräfte in höheren Managementebenen sollten für die Entwicklung der Unternehmensvision und der Unternehmensstrategie intuitive Entscheidungsprozesse bewusst erlauben
  • Der Einsatz spezieller Methoden, die den Zugang zur Intuition fördern und beschleunigen, kann eindrucksvolle Ergebnisse im Planungs- und Entscheidungsprozess erzielen.
  • Die bislang noch bestehende Skepsis vieler Unternehmer und Führungskräfte gegenüber dem intuitiven Entscheidungsprozess wird sich im Laufe der Zeit verringern. Der bewusste Einsatz intuitiver Methoden in der Coaching-Arbeit kann einer veränderten Sichtweise Vorschub leisten.

 

Vision 2019

Vision 2019

Meine Zeit als Lehrerin an der Unique Rock School war eine der prägendsten Erfahrungen in meinem Leben. Eigentlich wollte ich nur ein wenig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Doch nach diesem Jahr stellte ich mein Leben auf den Kopf und fing noch einmal von vorne an. Um nun eine Vision zu verfolgen, hinter der ich wirklich stehe.

Ich will, dass die Guten siegen.

Meine Vision von einer besseren Welt.

Anfang 2019: Vor einigen Tagen fasste ich während eines Business-Coachings mit Claudia Grajek mein Lebensziel und meinen Antrieb in wenige Worte. Es kam ein Satz heraus, der mich selbst überraschte:

Ich will, dass die Guten gewinnen.”

Was zunächst sehr vage klingt, ist die Synthese aus all meinen Erfahrungen, Hoffnungen, Ängsten. Meiner Wut. Dieser Satz bezieht sich auf die Politik, die Gesellschaft – und vor allem auf die Wirtschaft. Denn meiner Erfahrung nach spielt die Wirtschaft eine so wichtige Rolle, dass sowohl die Politik als auch die gesellschaftlichen Regeln von ihr bestimmt werden. Im Guten wie im Schlechten.

Ich will, dass die Guten siegen.” Das heißt, ich möchte dazu beitragen, dass nicht die ausschließlich gewinnorientierten und dabei skrupellosen Unternehmen das wirtschaftliche Spiel bestimmen, sondern die Botschaft der fairen Unternehmen gehört und verstanden wird. Dass sie die Marktmacht bekommen. Das sie all jene aus dem Rennen kicken, die mit ihrer Gier unsere Welt verwüsten.

 

Ein drogensüchtiger Mann im Slum Jamestown in Accra. Auf Initiative eines in der Region Greater Accra ansässigen Priesters fahren täglich ehemalige Drogenabhängige in die Slums und versuchen, die Menschen zu einem kalten Entzug auf dem Gelände des Priesters zu bewegen. Lebensmittel werden auf den nahegelegenen Märkten als Spende erbeten. Ärzte oder Krankenschwestern, die den Entzug begleiten, gibt es nicht.

Ein drogensüchtiger Mann im Slum Jamestown in Accra. Auf Initiative eines in der Region Greater Accra ansässigen Priesters fahren täglich ehemalige Drogenabhängige in die Slums und versuchen, die Menschen zu einem kalten Entzug auf dem Gelände des Priesters zu bewegen. Lebensmittel werden auf den nahegelegenen Märkten als Spende erbeten. Ärzte oder Krankenschwestern, die den Entzug begleiten, gibt es nicht.

 

Fairen Unternehmen eine Stimme geben

Der Beitrag, den ich leisten kann.

Warum willst du das?“, fragte mich Claudia.

Daraufhin begann ich zu erzählen: Von Nestlés Säuglingsnahrung in Afrika und Monsantos pestizid-verseuchte Landstriche in Südamerika. Wasserprivatisierung in den ärmsten Ländern der Welt. Und von meiner Arbeit in der Hilfsorganisation Voluntarios sin Fronteras, die sich um die Kinder in den Elendsvierteln von Buenos Aires kümmert.

 

 

Unsere Projekte bei den Voluntarios sin fronteras zielen darauf ab, die Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen kindgerecht zu fördern und aufzuklären, sie beim Lernen zu unterstützen und ein Netzwerk für sie zu schaffen, dass sie von Drogen, Gewalt und Kriminalität fernhält.

Unsere Projekte bei den Voluntarios sin fronteras zielen darauf ab, die Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen kindgerecht zu fördern und aufzuklären, sie beim Lernen zu unterstützen und ein Netzwerk für sie zu schaffen, das sie von Drogen, Gewalt und Kriminalität fernhält.

 

Von der Politik abgeschrieben

Wir wollen diesen Kindern schon vor dem Eintritt in die Grundschule ein soziales Umfeld bieten, in dem sie gefördert und auf die Zukunft vorbereitet werden. Motiviert durch ihre Freunde sollen sie nach und nach die Grundschule, die Sekundarstufe und – je nach Persönlichkeit – eine Ausbildung oder das Grundstudium an der Universität  absolvieren. Auch wenn die aktuelle Regierung es anders sieht: Wir sind sicher, dass sie es auf diese Weise schaffen können, aus dem Milieu der Villa herauszukommen und sich ein normales Leben aufzubauen.

Sie sollen eine Zukunft haben, und nicht von dem in die Luft und das Wasser abgeleiteten Dreck langsam vergiftet werden. Von Firmen, die jedes Maß verloren haben, bis aufs Blut ausgebeutet.

Ich habe Angst, dass sie und Millionen anderer Menschen irgendwann ein Vermögen für Trinkwasser ausgeben, weil ihr Leben davon abhängt. Während Nestlé und Co. in ihrer Gier die Preise immer höher schrauben.

Und auch ich möchte nicht im Alter das Versuchskaninchen von Chemie- und Pharmafirmen sein. Ich möchte noch an Flüssen sitzen, im Meer schwimmen, durch einen Wald gehen und einen Fisch essen können.

 

Wut als Motivation

Und dann gibt es noch einen sehr starken Antrieb: Ich bin wütend. Ich bin viel gereist und habe mit eigenen Augen gesehen, unter welchen Umständen die Menschen in Ghana leben: Ohne Toilette, ohne Zugang zu Gemüse, Obst und Medikamenten. Währenddessen werden sie von der Werbung dazu gebracht, sich selbst und ihre eigenen Produkte für minderwertig zu halten.

 

Unterricht in Ghana / Accra. Es herrscht Platz- und Lehrermangel. Daher werden zwei Klassen in einem Raum unterrichtet

Schulunterricht in Ghana. Hier befinden sich zwei Schulklassen in einem Raum: Während die eine Klasse Rechnen übt, lernt die andere Klasse, zu lesen. Dies wird in der Regel durch ein gemeinschaftliches Sprechen im Chor umgesetzt, so dass lernschwache Schüler nicht auffallen.

 

Ich kenne die verwaisten Landstriche in Argentinien und weiß von den geheimen Nähstuben, in denen die Menschen nicht nur arbeiten, sondern ihr Leben fristen. Ich habe den kontaminierten Odor-Fluss in Accra selbst gerochen und auch den Riachuelo in Buenos Aires – einen der zehn giftigsten Flüsse der Welt. Der Elektromüll, der in Accra nahe des Odor verbrannt wird, kommt zu einem Teil aus Deutschland.

Apropos Deutschland: Löhne, die nicht zum Leben reichen, Mieten, die kein Mensch bezahlen kann, von der Geschäftsführung initiiertes Mobbing von Menschen unter Kündigungsschutz: Auch all das finde ich erschütternd unfair.

 

Mein Körnchen Sand

Was von mir bleiben soll

Ich will: Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fair behandeln. Selbständige, die sich klar positionieren und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Unternehmen, die kommenden Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen wollen.  Abnehmer, die faire Löhne zahlen. Firmen, für die menschliche Arbeitsbedingungen wichtiger sind als der Gewinn.

“Nun fasse das einmal in einem Satz zusammen“, meinte Claudia. „Und denke dabei ganz groß.“ Es fiel mir schwer. Doch nach einiger Zeit kam mir eben dieser Gedanke, der genau das ausdrückte, was ich fühlte:

Ich will, dass die Guten gewinnen.

Der Satz kam mir banal und völlig übertrieben vor. Und doch bringt er auf den Punkt, wovon ich träume: Die fair, ethisch und nachhaltig agierenden Firmen, die Selbständigen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen, sollen die skrupellosen Wirtschaftsgiganten vom Markt verdrängen. Damit wir uns wieder sicher fühlen können.

Es ist mir klar, dass dies ein Traum ist. Es ist eine Richtung, es ist der Stern, an dem ich meine Arbeit ausrichten will. Doch wenn ich mit meinen Texten und Geschichten dazu beitragen kann, dass faire Unternehmen Kunden gewinnen und so den rein gewinnorientierten Firmen einen Marktanteil abnehmen können, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Ich bin Organisationsberaterin, Autorin und Texterin. Ich denke, dass dieser Mix von Kompetenzen gut geeignet ist, um die richtige Ansprache für die Kunden verantwortungsvoller Unternehmen zu finden: Mit scharfsinnigen Texten und emotionalen Geschichten, die dennoch nicht die Realität eines Unternehmens aus den Augen verlieren.

Und eines ist mir noch sehr wichtig: Wir – meine Auftraggeber und ich als ihr Storyteller – brennen für die gleichen Ziele. Das macht unsere Geschäftsbeziehung zu etwas ganz Besonderem: Aus Kunde und Dienstleister wird etwas Neues – ein Team, das sich für Gerechtigkeit einsetzt. Das seine gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

Und was gäbe es wohl für eine bessere Voraussetzung, um die Botschaft derer, die für Ethik und Fairness einstehen, kraftvoll in die Welt zu tragen?

Strategieentwicklung Schritt für Schritt erklärt

Strategieentwicklung Schritt für Schritt erklärt

Eine Strategie. Braucht man so etwas? Ich könnte jetzt mit wissenschaftlich klingenden Erklärungen oder Wikipedia-Definitionen antworten. Doch ich will es einmal auf eine andere Art und Weise versuchen.

Mit meiner eigenen Geschichte:

 

Meine Vision, meine Werte, mein Warum

 

Vor kurzem beschrieb ich hier auf meiner Homepage, was mich dazu bringt, morgens mit Elan aufzustehen. Und nein, ich meine damit nicht den Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Eine bessere Welt, in der Ethik, Fairness und Nachhaltigkeit das wirtschaftliche Handeln bestimmen, ist meine Hoffnung. Es ist das Ziel, auf das ich hinarbeite. Meine Vision, an der ich meine Arbeit ausrichte.

Und ich erzählte auch, was mich zu dieser Vision brachte: Was ich in Ghana erlebte, was ich in Argentinien sah, zu welchen Überzeugungen ich gelangte, welche Gefühle es in mir weckte. Wie sehr dies mit Werten kollidiert, die mir wichtig sind: Fairness, Ethik, Ehrlichkeit, zum Beispiel. All das macht meinen Antrieb aus. Mein “Warum”. Dieses Warum sollte nicht nur jeder kennen, der langfristig motiviert bleiben will. Auch Kunden identifizieren sich lieber mit einer Überzeugung, als dass sie lediglich ihr Geld gegen ein Produkt tauschen.

Mein Tipp: Simon O. Sinek (https://startwithwhy.com) stellt dieses “Warum” ins Zentrum allen Denkens. Nur von hier aus kann ein “Was” – ein Angebot – entwickelt werden, das Leidenschaft weckt. – Sowohl bei den Erstellern als auch bei den Kunden. (Ein absolutes Must-Watch: https://www.youtube.com/watch?v=qp0HIF3SfI4)

Die schonungslose Selbstbetrachtung

Von hier aus startet jede Strategie

Ja, es ist wichtig, seine Motivation zu kennen. Doch damit die Vision nicht im allgemeinen „Man-müsste-eigentlich-mal…“ untergeht, muss nach dem “Warum” so bald wie möglich die nächste Überlegung folgen:  Es stellt sich die große Frage nach dem “Wie”: Wie kann ich denn erreichen, dass ich meiner Vision Schritt für Schritt näher komme? Welchen Weg muss ich einschlagen?

Anders als bei Google Maps wird Selbständigen und Unternehmern ihr aktueller Standort nicht so ohne Weiteres angezeigt. Deswegen müssen wir, bevor wir uns überhaupt auf den Strategie -Weg machen, genau analysieren, wo wir gerade stehen.

 

Die SWOT- Analyse

 

Von all den vielen Strategie-Entwicklungs-Instrumenten, die Unternehmern und Beratern zur Verfügung stehen, gehört die SWOT-Analyse zu meinen absoluten Lieblings-Methoden. Sie ist spannend und simpel und kann zu so tollen Ergebnissen führen.

 

Frage 1 – Was macht mich aus?

 

Die SWOT-Analyse bildet das Unternehmen und sein Umfeld in einer Matrix aus vier Feldern ab. Die ersten beiden Felder beschreiben Stärken und Schwächen.

Um mich nicht herunterziehen zu lassen, habe ich erst einmal damit begonnen, mir meine Stärken vor Augen zu führen:

  • Ich kann ein deutsches Buch lesen und dabei mit meiner englischen Freundin chatten und einen spanischen Film sehen.
  • Mein Streuselkuchen ist der Hammer.
  • Ich lege die einhundert Meter in…

Nein. Das führt zu nichts.

 

Natürlich muss man auch während der SWOT-Analyse seine Vision und den Unternehmenszweck vor Augen haben: Ich möchte faire, ethische, verantwortungsvolle Unternehmen dabei unterstützen, ihre rein gewinnorientierten Konkurrenten aus dem Feld zu kicken. Das ist schon viel sinnvoller. Also, was für eine Stärke könnte mir dabei behilflich sein?

  • Ich bin professionelle Texterin und Autorin.
  • Ich habe Erfahrung in der Unternehmensführung.
  • Ich arbeite in der Entwicklungshilfe in einem Schwellenland.

Das führt zu einem Ergebnis.

Und so kann man als Firma oder Selbständiger dann seine Stärken sammeln. Am besten im Team oder mit der Hilfe eines Beraters. Ich kann versichern, am Ende der Stärken-Runde ist man mega stolz und hat einfach nur noch gute Laune. Das sind die Strengths, das S, der SWOT-Analyse.

Nun kommt der eher unangenehme Teil. Das W – die Weaknesses. Ebenfalls im Team und nun nach Möglichkeit wirklich mit einem externen Blick, werden gnadenlos ehrlich die Schwächen zusammengeführt und in das zweite Feld der Matrix eingetragen.

  • Ich habe kein Startkapital.
  • Ich habe keine Kontakte.
  • Ich bin auf mich allein gestellt.

Und so weiter.

 

Frage 2 – Was umgibt mich?

 

Doch wir befinden uns ja nicht allein auf der Welt. Wie ein Unternehmen auf dem Markt agieren muss, welche Möglichkeiten es überhaupt hat, all das hängt in großem Ausmaß von seiner Umwelt ab. Von seinen Mitbewerbern, Gesetzen, Kundenwünschen…. Mit diesen Fragen befassen sich das O und das T (Opportunities and Threats) der SWOT-Analyse. Die Frage nach den Möglichkeiten wird wie folgt gestellt:

Welche Chancen eröffnen sich uns aus den Gegebenheiten in unserem Umfeld?

Das kann eine staatliche Förderung sein, ein bestimmter Markttrend, ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb. Die Frage nach den Bedrohungen stellt sich analog: Ein Gesetz erschwert das Handeln, ein starker Wettbewerber besetzt das Marktsegment. Wichtig ist, sowohl bei den Chancen und auch den Risiken den Blick nicht zu sehr in die Zukunft zu richten, sondern sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Denn von hier aus starten wir mit unserer Strategie.

Und so stellte sich dieser Analyseschritt bei mir im letzten Jahr dar: Eine Chance aus dem Umfeld war für mich Facebook. Hier habe ich Kontakte geknüpft und inspirierende Menschen kennengelernt. Auf die Netzwerke in Facebook greife ich immer wieder zurück, wenn ich Fragen habe oder das Gefühl, auf der Stelle zu treten. So bin ich nicht mehr allein auf mich gestellt. Auch die Tatsache, dass mein Partner die Möglichkeit hat, mich organisatorisch zu unterstützen, ist Gold wert.

Als ein großes Risiko hingegen habe ich im letzten Jahr die DSGVO empfunden. Ja, ja, wirst du jetzt vielleicht einwenden, aber die ist ja nicht neu. Stimmt. Mich, die ich in den vergangenen Jahren auf der Südhalbkugel wohnte, traf sie jedoch wie ein Kübel Eiswasser bei der längst vergessenen Ice-Water-Bucket-Challenge. Ich habe ebenso wie viele andere erst einmal schockiert meine Blogs vom Netz genommen. In meinen Augen war diese Verordnung eine echte Bedrohung, der ich allerdings mit Hilfe meines Facebook-Netzwerkes begegnen konnte.

Und damit komme ich der wesentlichen Frage, für die die SWOT-Analyse die in meinen Augen allerbeste Basis für die Strategie-Entwicklung bildet:

 

Frage 3 – Wie hole ich aus der jetzigen Situation das Beste heraus?

 

Diese Arbeit nun erfordert ein wenig Phantasie, macht aber auch richtig, richtig Spaß. Vor allem im Team, wenn die Ideen nur so sprudeln, und einer den anderen mit Lösungsvorschlägen übertrumpft.

Wie funktioniert das also?

Die Analyse der Schritte eins und zwei führt zu einer Übersicht der folgenden Form:

SWOT Matrix

Alle wesentlichen Aspekte der Standortbestimmung eines Unternehmens finden sich in den vier Feldern der SWOT-Matrix wieder.

 

Jetzt gilt es, die Fakten miteinander zu kombinieren und Lösungen zu entwickeln:

  • Was kann ich tun, um meine Schwächen zu mindern oder sogar in Stärken umzuwandeln? Inwieweit helfen mir dabei meine Stärken? Gibt es Einflüsse aus meinem Umfeld  – Chancen – die ich dazu nutzen kann?
  • Wie kann ich meine Stärken einsetzen, um mich gegen Risiken zu wappnen? Welche Chancen kommen mir dabei zugute?
  • Wo könnten meine Schwächen in Kombination mit Bedrohungen aus meinem Umfeld zu einer echten Gefahr für mich werden?
  • Wie kann ich meine eigenen Stärken mit den Chancen aus dem Umfeld so kombinieren, dass ich so richtig loslegen kann?

Das Ergebnis dürfte eine lange Liste mit Ideen darstellen, die das Fundament für weitere Überlegungen bilden wird.

 

Frage 4 – Wie positioniere ich mich im Wettbewerb?

 

Sie kennen nun Ihre Stärken und Schwächen Ihres Unternehmens, sind sich über das Umfeld im Klaren, in dem Sie sich bewegen, und haben auch eine ungefähre Vorstellung davon, welche Möglichkeiten Ihnen offen stehen, um aus der aktuellen Situation das Beste herauszuholen. Nun müssen Sie sich für eine Strategie- Richtung entscheiden. Sie fragen:

  1. Kann ich zu geringeren Kosten als der Wettbewerb produzieren?
  2. Besitzt mein Produkt ein einzigartiges Merkmal, das mich von meinen Wettbewerbern unterscheidet? Worin bin ich einfach deutlich besser als die Konkurrenz?
  3. Sollte ich auf dem Gesamtmarkt agieren, oder fokussiere ich mich eher auf eine Nische?

Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder streben Sie eine Kostenführerschaft auf dem Markt an und unterbieten alle anderen Wettbewerber im Preis, oder Sie überzeugen Ihre Kunden durch eine Qualität, die sie bei der Konkurrenz nicht finden werden.

Beides lässt sich entweder auf dem Gesamtmarkt oder auf einem Teilmarkt – einer Nische – umsetzen.

Michael Porter, der Entwickler der Wettbewerbsstrategie bzw. Wettbewerbsmatrix sagt: Du musst dich entscheiden! Denn nichts ist schlimmer, als in the middle of nowhere zu verharren.

Ich habe mich entschieden: Ich schreibe nicht für jeden, sondern für Selbständige und Unternehmer oder Unternehmerinnen wie Sie:

Ethisch, fair und verantwortungsbewusst. Und ich denke, dass ich mit Business-Wissen und guter Schreibe wirklich etwas Wertvolles für dich schaffen kann. Das ist meine Strategie.

 

In die Umsetzung!

Sie haben jetzt alle Informationen, die du brauchst, um deine nächsten Schritte abzuleiten:

  • Sie kennen Ihr großes Ziel, Ihre Vision
  • Auch Ihr Warum: Sie wissen, warum Sie genau diese Dienstleistungen oder Produkte anbieten und keine anderen. Daher können Sie das auch Ihren Kunden überzeugend vermitteln.
  • Sie kennen die Stärken und Schwächen Ihres Unternehmens.
  • Einflüsse von Markt und Umfeld stellen keine Überraschung mehr dar.
  • Sie haben sich für eine generelle Marktstrategie als Kosten- oder Qualitätsführer entschieden.
  • Sie kennen Ihre Nische oder wissen, warum und wie Sie sich breit aufstellen werden.
  • SIe haben einen großen Fundus an Ideen, auf welche Weise Sie das beste aus Ihren Potentialen heraus holen werden.

Und nun los:

  • Definieren Sie Ihren Kunden!
  • Gestalten Sie Ihr Angebot!
  • Setzen SIe sich smarte Ziele!
  • Entwicklen Sie Ihr Unternehmen!
  • Positionieren Sie sich auf dem Markt!
  • Verbesseren Sie sich ständig!

Vor allem aber:

Haben Sie Spaß, bei dem was Sie tun.

 

Sind wir zu alt für Storytelling?

Sind wir zu alt für Storytelling?

Storytelling im Business? Geht das überhaupt?

Schließlich ist das Business eine ernste Angelegenheit. Erzählungen, Märchen, Fabeln – wie soll man denn da als Unternehmen noch ernst genommen werden?

Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen

Es ist jetzt mehr als vierzig Jahre her Da liebte ich es, ein Buch in die Hand zu nehmen. Ob es auf dem Kopf stand oder nicht, interessierte mich nicht weiter. Vor mir saßen im Halbkreis drei bis sieben kleine Kinder. Ich schlug es auf, wartete einen Moment, bis Ruhe eingekehrt war, blickte mit wichtiger Miene zu meinen Zuhörern, und begann, ihnen vorzulesen. Mit großen Augen hingen sie an meinen Lippen. Und ich konnte Ewigkeiten damit zubringen, Seite um Seite umzublättern und wieder von vorne anzufangen. Dieses Buch endete nie.Das haben mir meine Eltern erzählt. Meine Protagonisten waren Enten, Puppen, Teddybären. Wir alle müssen so ungefähr drei Jahre alt gewesen sein.

Dreißig Jahre später

Vor mir sitzen im Halbkreis zwanzig bis vierzig Frauen und Männer mittleren Alters. Ich stehe vor ihnen, warte ein wenig, bis Ruhe eingekehrt ist und beginne dann, ihren Geschichten zuzuhören. Von Prozessen, die nicht funktionieren, Konflikten im Team, Mobbing, Krankheit und einem ständigen Gefühl der Überforderung. Und ich habe den Eindruck: Auch diese Geschichten enden nie. Doch diesmal sind es keine Märchen. Das bringt mich auf eine Idee…

Sind wir für Storytelling nicht ein bisschen zu alt?

Meine Freunde aus der Kinderkrippe haben nun schon vor längerer Zeit ihren eigenen Kindern Märchen vorgelesen und ihnen die Abenteuer ihres Lebens erzählt. Die Kleinen werden ebenso mit tellergroßen Augen gelauscht und gespannt auf das Ende – die Moral von der Geschicht’ – gewartet haben.Wie ist es ausgegangen? Fragst du das nicht auch, wenn dir deine Familie, deine Freunde, Begebenheiten aus ihrem Alltag erzählen? Was machst du, wenn du abends nach Hause kommst? Schaust du dir die Nachrichten an? Netflix? Liest du den Roman, den du leider beim Aussteigen aus dem Zug aus der Hand legen musstest?

Von Kindern und Neandertalern

Geschichten interessieren uns. Sie faszinieren uns. Sie vereinnahmen und im besten Fall inspirieren sie uns. Wir erfahren von ihnen, wie wir uns im Alltag verhalten können, wie wir Risiken begegnen und Lösungen finden. Wir lernen aus den schmerzhaften Erfahrungen anderer, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Wir tragen alle ein Kind in uns. Und irgendwo in uns lebt auch immer noch der Höhlenmensch, der sich mit seinem Stamm um ein Feuer versammelt und den Geschichten der mutigen Mammutjäger lauscht. Den Geschichtenerzählern zu folgen, das liegt uns Menschen im Blut.Studien haben gezeigt, dass ein Unternehmen, das seine Botschaft nicht durch einen einfachen Text oder Zahlen, Daten und Fakten vermittelt, sondern über eine Geschichte transportiert, seine Chancen, im Gedächtnis zu bleiben: ver – zwanzig (!) – facht. Unternehmer und Unternehmerinnen, die ein Interesse daran haben, nicht in der Informationsflut unterzugehen, kommen an Storytelling kaum noch vorbei.

Träume…

Mit etwa neun Jahren begann ich, meine Geschichten aufzuschreiben. Sie waren mehrbändig und handelten von einem Wellensittich, der um die Welt fliegt. Ich war ein Kind der damaligen DDR. Und ich glaube, ich hatte in diesem Alter schon verstanden, dass ich nicht zu denen gehören würde, die um die Welt fliegen könnten. Ich hatte die Trauer im Blick meiner Eltern gesehen, wenn wir meine Verwandten bis an die Grenze begleiteten. Mein Wellensittich lebte unseren Traum.

Die Werbung im Fernsehen zeigt nur ganz selten Menschen mit Krähenfüßen und Gewichtsproblemen, die sich müde um kurz nach sechs in den Bus drängen. Sie zeigt Surfer am Palmenstrand und Frauen in glitzernden Kleidern, die ein wenig Parfüm auflegen. Und wir? Wir kaufen uns mit dem Produkt gleich selbst ein bisschen Traumerfüllung.

… und Alpträume

Als ich zu schreiben begann, kam mein Vater auf mich zu. Er hatte den zweiten Weltkrieg erlebt, und seine eigene Geschichte aufgeschrieben. Ich erinnere mich immer noch, wie ich immer verängstigter diese Bilder in mich aufnahm – von Tod und Blut und Flammen. Es war keine so gute Idee von meinem Vater. Denn diese Eindrücke wurde ich nur sehr, sehr schwer und auch sehr spät wieder los.Das war kein glückliches Beispiel. Doch es zeigt eines: Geschichten erschaffen Bilder. Sie bleiben im Gedächtnis haften und erzeugen Gefühle in uns. In meinem Fall war es Angst. Wenn wir für eine Dienstleistung oder ein Produkt werben, sollten es schöne Gefühle sein: Zufriedenheit (Mercedes), Rührung (Nivea), Spaß (Coca Cola Zero) Möglichst so eindrucksvoll, dass wir sie dauerhaft mit einer Marke in Verbindung bringen.

Was uns mit einem Frosch verbindet

Der Held meiner Kindheit war Kermit der Frosch. Er geriet ständig in Schwierigkeiten, wurde von Miss Piggy geschlagen, fiel von der Loge im ersten Rang, musste irgendwelche außer Rand und Band geratenen Muppets zur Ordnung rufen… Und stand doch immer rechtzeitig auf der Bühne, um “Applaus, Applaus, Applaus!” zu rufen. Der Held meiner Kindheit hatte keine Superkräfte. Doch die Probleme, in die er geriet, die löste er auch so.Gute Geschichten haben einen Protagonisten, mit dem wir uns identifizieren können. Sie haben einen Helden, der nicht aufgibt. Sondern der alles dafür tut, zu gewinnen oder sich aus einer schwierigen Situation zu befreien. Gute Geschichten zeigen uns Lösungen, die wir selbst vielleicht nicht so schnell gefunden hätten. Jim Henson wusste das. Die Muppets sind immer noch berühmt.Und ich hatte auch eine Heldin: Pippi Langstrumpf. Ja, sie hatte Superkräfte. Doch vor allem fiel sie aus dem Rahmen, stellte die Regeln der Erwachsenen auf den Kopf und behauptete sich im Konflikt mit ihren konservativen und humorlosen Nachbarn. Hätte Pippi immer nur ihr Äffchen gestreichelt, hätte ich das Buch wohl schnell zur Seite gelegt.

“Wer will schon Geschichten von Leuten lesen, denen es immer nur gut geht?”, brachte es mein Bruder auf den Punkt. Wir alle haben täglich mit großen und kleinen Sorgen zu kämpfen. Unsere Storytelling-Helden zeigen uns, wie man sie lösen oder mit ihnen leben kann.Hand auf’s Herz. Kennst du niemanden, den dieses Buch auch in den Bann gezogen hat?

Ohne Lord Voldemort wäre alles nichts

Denn eines ist noch wichtig in einer guten Story: Sie muss uns fesseln. Können Sie sich an ein Buch, an einen Film erinnern, in dem der Kampf des Protagonisten geradlinig verläuft? In dem jeder Faustschlag sitzt, der Held ohne Probleme alle Gegner in die Flucht schlägt und schließlich ganz easy-peasy triumphiert?Das Leben verläuft nicht geradlinig. Wir stolpern und stehen wieder auf. Wir kämpfen und verlieren und versuchen es noch einmal und gewinnen und wissen nicht, was als nächstes kommt. Diese Geschichten sprechen uns an. Diese Stories fesseln uns. “Wie ist es ausgegangen?” Nur dann bleiben wir am Bildschirm oder blättern die nächste Seite um.Harry Potter. Der Klassiker. Allein eine Quidditch-Partie ist von so vielen Wendungen geprägt, dass der Leser das Ende nicht selbst vorhersehen kann. “Wie geht es aus?” Wird er gegen Lord Voldemort unterliegen? Was passiert mit Albus Dumbledore? J.K.Rowling ist nicht umsonst Milliardärin.

Jetzt wird es richtig schwierig

Konflikte sind wichtig. Wendungen in der Geschichte sind wichtig. Noch etwas?

Ich denke jetzt gerade an eine fitte Journalistin, die leichtfüßig am frühen Morgen aus dem Bett springt, lächelnd ihren Job erledigt, danach ihre perfekte Figur mit Rollerblades noch perfekter werden lässt – und am Abend sitzt das Haar immer noch. An sie kann ich mich noch erinnern, und auch daran, dass ich mich bei diesem Werbespot irgendwie unwohl fühlte. Wofür geworben wurde, hatte ich allerdings bis heute vergessen.Warum? Weil das nicht echt ist. Es ist nicht authentisch, es stammt nicht aus der realen Welt, es hat nichts mit uns zu tun. Es ist eine Lüge. Und damit verlieren sowohl die Story als auch das damit beworbene Produkt, zumindest in meinen Augen, ihre Glaubwürdigkeit.Auf der anderen Seite wurde mir stets beigebracht, mich von meiner besten Seite zu präsentieren. Mich super zu verkaufen. Yes. I. can.

Fehler, Schwächen und Eigentümlichkeiten hatte es nicht zu geben. Zumindest nicht öffentlich. Und auch wenn wir uns dabei alle gegenseitig etwas vorgemacht haben: Auch in dem Wissen, dass niemand von uns perfekt ist, fällt es gar nicht so leicht, sich authentisch zu zeigen.Und doch ist es gerade im Storytelling unglaublich wichtig.Im Grunde hat sich am Storytelling seit Jahrhunderten nichts geändert. Und doch berührt es immer wieder neu.

Und die Moral von der Geschicht’?

Das ist die Botschaft, die wir – auch als Erwachsene – noch immer aus einer Geschichte ziehen wollen. Es kann ein ganz einfaches “Das Gute gewinnt über das Böse” sein. Es kann ein “Es ist unglaublich, was Menschen überstehen können” sein. (Das war der Gedanke, der mir vor wenigen Tagen um vier Uhr morgens kam, nach dem ich wie gebannt den auf Tatsachen beruhenden Film “A Twelve-Year-Night” geschaut hatte). Es kann auch in ein: “Ich muss mal auf die Seychellen fliegen” münden.Hier kommt unser Produkt, unsere Dienstleistung ins Spiel: Das HB-Männchen beruhigt sich, wenn es eine Zigarette bekommt. Der kleine Junge aus der Mercedes-Werbung nimmt einen langen Weg in Kauf, nur im Auto seiner Träume zu sitzen, die Katze im Toyota Corolla Spot geht noch deutlich weiter. Und EDEKAs Geschichte vom kleinen Jungen, der endlich fliegen will, vereinigt gleich alles: Der Held steckt in einer bemitleidenswerten Situation.Er hat einen Traum, doch er ist der einzige, der daran glaubt.Er wird verspottet, scheitert immer wieder.Und schließlich erreicht er sein Ziel.Wir haben Mitleid, identifizieren uns, fiebern mit ihm mit, und schließlich verbinden wir die Freude über seinen Triumph mit der Idee: Wenn wir bei EDEKA kaufen, können wir alles schaffen.Bingo!

Die Katze macht den Unterschied

Nein, wir sind definitiv nicht zu alt für Storytelling. Ganz im Gegenteil. Deine Wunschkunden brennen darauf, sich inspirieren zu lassen. Vielleicht wissen sie es noch nicht. Du wirst sie in deinen Bann ziehen, wenn du deine Botschaft authentisch, spannend und emotional vermittelst.Storytelling ist ein mächtiges Instrument, wenn es darum geht, deine Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen UND langfristig im Gedächtnis deiner Kunden zu bleiben. Vielleicht kaufe ich mir nicht sofort einen Toyota. Doch die masochistische Katze bleibt mir im Gedächtnis. Und wenn ich mich irgendwann einmal für ein Auto entscheiden muss, macht das vielleicht den Unterschied.

Was wurde eigentlich aus den Männern und Frauen im Halbkreis?

Sie haben mir ihre Geschichte erzählt. Ich habe ihnen meine erzählt. Danach haben wir uns gemeinsam Mary Poppins angesehen – was im Verwaltungs-Projektmanagement eher selten vorkommt. Und dann haben wir gemeinsam, mit einem ganz neuen Blick auf die Dinge, überlegt, wie sie den Problemen am besten begegnen können. Mary Poppins brachte den Kindern bei, bestehende Strukturen in Frage zu stellen. Ich habe mit meinen Seminarteilnehmern nichts anderes gemacht. Und so kamen wir Querdenker zu ganz neuen, und dieses Mal wirklich, spannenden Lösungen.

 

Lehren und Lieben in einem Elendsviertel 2018

Lehren und Lieben in einem Elendsviertel 2018

Zu den großen Sommerferien an Weihnachten 2015 musste ich meine Arbeit mit den Kindern in der Villa Retiro unterbrechen. Ich pendelte zwischen Berlin und Buenos Aires, lernte die Tücken des argentinischen Wohnungsmarktes kennen, verliebte mich, wurde krank, machte mich selbständig… und dann, Mitte 2018, war wieder ein Platz in einem Projekt frei. Ein anderer Comedor, andere Kinder, aber es war weiterhin das Elendsviertel neben dem Hauptbahnhof Retiro. Viele der Nachbarn erkannten mich wieder, und so bewegte ich mich weiterhin völlig unbehelligt und ohne Angst in der Villa Miseria 31. Der 19. August war ein ganz besonderer Tag: Am argentinischen Kindertag versammelten wir die Kinder aus allen Projekten des Viertels, um mit ihnen ein Fest zu veranstalten. Und wer stand da vor mir? Mein Ismael, aus dem inzwischen ein toller kleiner junger Mann geworden war.

 

Mädchen in Elendsviertel Buenos Aires Voluntarios sin Fronteras

Das Wiedersehen mit Ismael

Er war der Größte unter allen Kindern, meine ich. Aber vielleicht kam es mir auch nur so vor. Ich erkannte ihn sofort wieder. An seinen Strubbelhaaren, dem coolen Gang. Wie immer suchte er sich etwas abseits der anderen einen Platz. Doch im Gegensatz zu damals legte er nicht den Kopf zwischen die Hände. Nein, er nahm sich ein Blatt Papier und fing an zu malen. Nach einer Weile setzte ich mich zu ihm. Ich traute meinen Augen kaum. Er war dabei, eine Anime-Figur zu zeichnen. Aber so gekonnt, dass sie direkt aus einem Film hätte stammen können. In seinem Blick lag eine Mischung aus Schüchternheit und Stolz, als ich ihn bat, sie mir einmal zu zeigen. Ich fragte ihn, ob er mich wiedererkenne. Nun, vor drei Jahren war ich deutlich schlanker gewesen, hatte längere und dunklere Haare. Er schaute mich lange an und grinste ein bisschen verlegen. Dann schüttelte er unmerklich den Kopf. Ich erzählte ihm von unserer gemeinsamen Zeit vor drei Jahren. Wie wir zusammen in die Kinderrepublik nahe der Stadt La Plata gefahren waren. Es war unser Ausflug zum Jahresende, den wir traditionell kurz vor den großen Ferien mit allen Kindern aller Projekte unternehmen.

La Plata – das Geld

Es war schwierig gewesen damals, denn so schön die Kinderrepublik – so eine Art Mini-Disneyland, das unter Eva und Domingo Perón in den 60er Jahren errichtet wurde – auch war, einige Attraktionen hatte man in diesen Tagen bezahlen müssen. Und wir hatten kaum noch Geld. So hatten wir die Kinder zu einer Fahrt mit einem Go-Kart einladen, verschiedene Lehrprojekte besuchen lassen, und ein Picknick veranstalten können. Aber in den kleinen Tierpark in der Mitte der Kinderrepublik hatte man uns nicht hereingelassen. So teuer war der Park nicht gewesen. Aber wir waren mit drei vollbesetzten Schulbussen angereist, und niemand von uns hatte die Möglichkeit, den Eintritt für alle Kinder zu bezahlen. Die meisten Kinder hatten sich an den Zaun gepresst und die Guanakos bestaunt. Aber mein kleiner Ismael war losgerannt, hatte sich an einen Baum gekauert und bitterlich geweint. und ich hatte mich damals gefragt, wie oft er das wohl schon gehört haben mochte: „Nein, das geht nicht. Dafür haben wir kein Geld.“

Es zerriss mich. Ich hätte ihn so gerne an der Hand genommen und gesagt: Los wir beide gehen da jetzt rein. Aber das wäre natürlich nicht gegangen. Doch in Argentinien kann man ja über (fast) alles reden, und nach einiger Zeit hatten wir die Parkleitung überzeugen können, dass für diese Mädchen und Jungen aus dem Elendsviertel Villa 31 dringend einmal eine Ausnahme gemacht werden muss. Es war das Größte für die Kinder gewesen, Ziegen, Guanakos, Kaninchen zu sehen, zu riechen und, wenn keiner schaute, auch einmal ganz, ganz kurz anfassen zu können. Im Elendsviertel gibt es, soweit ich weiß, nur Hunde und Katzen.

Wo hatte ich nur das Foto?

Dass er geweint hatte, das erzählte ich Ismael natürlich nicht. Aber ich erzählte ihm von den Bildern, die er mir gemalt hatte und dem Foto, das ich noch immer von uns beiden hatte. Ich suchte lange auf meinem Handy. Und ich sah, je länger ich suchte, wie sein Gesicht einen immer ernsteren Ausdruck bekam. Was mag er gedacht haben? Noch so eine, die nur redet, aber gar nicht meint, was sie sagt? Schließlich fand ich das Bild und er konnte gar nicht glauben, wie klein er damals war. Er zeigte mir den ganzen Vormittag seine Zeichnungen und fragte mich immer wieder nach unseren Erlebnissen.

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus

Einige Wochen später: Kurz vor den Sommerferien machen wir mit den Kindern erneut unseren Ausflug. Diesmal nicht nach La Plata, sondern in ein Kino in Puerto Madero, ganz in der Nähe. Puerto Madero ist das wohl teuerste Viertel von Buenos Aires. Aus den obersten Stockwerken der Glitzertürme kann man den gesamten Rio de La Plata überblicken und die Küste von Uruguay sehen. Und natürlich auch das Elendsviertel, das sich praktisch nebenan befindet.

Wieder sah ich Ismael, wieder stand er abseits und wieder setzte er sich im Bus in die hinterste Ecke, allein. Ich hielt ein bisschen Abstand und schaute ihn an. Er schickte mir sein wohl coolstes „Komm her, Baby“. Dann schaute er wieder aus dem Fenster. Fünf Minuten, zehn? Auf einmal sagte er – ganz genau wie früher – „Bayern München hat gewonnen.“ Und dann erzählte mir ohne Luft zu holen, wer, wann, wo gespielt hat. Welche Mannschaft in welchem Jahr welche Weltmeisterschaft gewonnen, und gegen wen sie jeweils gespielt hatte. Ich weiß nicht viel von Fußball, wirklich nicht. Aber soweit ich es beurteilen konnte, lag Ismael immer richtig. Der Junge hatte ein Gedächtnis, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam! Was er denn einmal werden wolle, fragte ich ihn. Profifußballer in Europa.

Die Überraschung

Hotel Transsylvania wurde gezeigt. Wir hatten für die Kinder einen kleinen Kinosaal ganz für sie allein mieten können. Jeweils einmal Popcorn und Cola waren auch noch drin. So strahlende Augen! Nach dem Film rannten alle zum Wasser und bestaunten den Fluss und die Hochhäuser. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir geblieben sind. Das Wetter war wunderschön und wir hatten Zeit.

Krokodile und Kuschelmäuse in ernster Mission

Die letzten Projekttage wurden noch einmal ein bisschen ernster. Mit Kuschelkrokodilen und Plüschmäusen zeigten wir den Kindern, wie man sich gegen sexuellen Missbrauch wehrt. Mit Zeichentrickfilmen, wie man sich trotz der Drohungen einem Erwachsenen anvertraut und so zu Supermann oder Superfrau wird. „Neeeeiiiiiiiiin!“ schrien die Kleinen, wann immer die Maus dem Krokodil zu nahekam. Die beiden Psychologen, die den Tag begleiteten, waren zufrieden. Am Sonnabend darauf kamen sie noch einmal ins Elendsviertel, gaben jedem Kind ein Blatt Papier und baten es, seinen Namen darauf zu schreiben. „Nun malt einmal den schönsten Traum auf, den ihr je hattet.“ Ich male mit. Ein kleiner Junge an meiner Seite lässt das Blatt leer und flüstert mir zu: „Ich habe keine schönen Träume. Immer nur schlimme.“ Oh je! Danach forderten die Psychologen die Kinder auf, auf der anderen Seite ihren bösesten Alptraum aufzumalen. Schließlich sammelten sie die Blätter ein, um sie auszuwerten. Ich gab ihnen noch den Namen von dem Kleinen neben mir, mit der Bitte, da vielleicht doch noch etwas genauer hinzuschauen.

Ich schätze, unsere Handlungsmöglichkeiten im Elendsviertel sind begrenzt. Und doch gibt es gerade heute eine Weiterbildung für die Projektmitarbeiter, wie wir bei dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch reagieren können. Denn das Thema wird auch in Argentinien sehr ernst genommen. Und – auch wenn es manchmal so wirkt – auch die Elendsviertel von Buenos Aires sind kein rechtsfreier Raum.

Drei Monate Ferien gehen vorbei

Das war das Ende des letzten Jahres. Heute, am neunten März, beginnen die Projekte wieder, denn die großen Sommerferien sind vorbei. Von Anfang Dezember bis Anfang März dauern die Schulferien in Buenos Aires. Im letzten Jahr etwas länger, da pünktlich zum Schulbeginn die Lehrer streikten. Dieses Projektjahr aber beginnt pünktlich mit einem Picknick auf dem Rasen eines der kleinen Fußballplätze im Viertel. Mit argentinischen Croissants – den im Vergleich zu französischen Croissants deutlich kleineren, fetteren und süßeren Medialunas – Sandwiches und deutschem Butterstreuselkuchen. Jedes Kind bekommt eine kleine Tüte mit Schulsachen als Willkommensgeschenk: Hefte, Buntstifte, Schere, Bleistiftanspitzer, Radiergummi.

Es wird schon kühler in Buenos Aires, der Herbst kündigt sich langsam an. Aber es ist immer noch sonnig. Und wir haben jede Menge neuer Ideen. Das neue Schuljahr wird spannend. Das steht jedenfalls schon einmal fest.